Was ist die SAP HPOM-Umstrukturierung — und warum ist sie anders?
Waehrend die Medien seit Januar 2024 ueber SAPs grossangekuendigten Stellenabbau von 8.000 Positionen berichten und CFO Dominik Asam gegenueber dem Handelsblatt jaehrliche Kuerzungen von 1-2% der globalen Belegschaft ankuendigte, fliegt ein tiefgreifenderer Umbau weitgehend unter dem Radar: die sogenannte HPOM-Umstrukturierung.
HPOM — SAPs internes Kuerzel fuer die Neuordnung der technischen Produkthierarchie — ist kein einfacher Stellenabbau. Es ist eine fundamentale Neuverkabelung der Art und Weise, wie SAP Technologie-Entscheidungen trifft, Software-Architektur verantwortet und Innovation organisiert. Die alte Struktur basierte auf einem dezentralen Modell: Jedes Produktteam hatte eigene Senior-Architekten, eigene technische Produktmanager und eigene Hyperscaler-Beziehungen. In der neuen HPOM-Welt wird das alles zentralisiert — weniger Architekten, aber mit mehr Durchgriff.
CEO Christian Klein sagte auf der SAP-Hauptversammlung im Mai 2026, die KI-Transformation werde „genauso schmerzhaft wie der Cloud-Shift" vor einem Jahrzehnt. Aber waehrend der Cloud-Shift vor allem Vertriebsmodelle und Lizenzstrukturen veraenderte, greift HPOM direkt in die technische DNA des Unternehmens ein. Es geht nicht um weniger Koepfe — es geht um andere Koepfe.
Konkret bedeutet HPOM: Die alten Rollen des Product Architect, des Principal Engineer und des Technical Product Manager werden konsolidiert. An ihre Stelle treten zentrale Architekten mit uebergreifender Verantwortung und — besonders bemerkenswert — ein neuer „KI-Architekt"-Track, der speziell fuer die Arbeit an Joule (SAPs KI-Assistent) und dem Generative AI Hub konzipiert wurde. Wer den Sprung auf diesen Track nicht schafft, faellt aus dem System.
💡 Experteneinschaetzung: Architektonischer Paradigmenwechsel
„Die HPOM-Umstrukturierung ist der bedeutendste organisatorische Eingriff in SAPs Technik-DNA seit der Einfuehrung von S/4HANA. Wer die betroffenen Profile versteht, erkennt sofort: Das sind nicht austauschbare Programmierer. Das sind die Menschen, die entschieden haben, wie SAP-Systeme mit AWS, Azure und GCP interagieren. Sie haben die Integrationspatterns fuer BTP definiert und die Analytics-Schicht in Datasphere gebaut. Diese Erfahrung laesst sich nicht durch Schulungen ersetzen — man braucht 8-12 Jahre, um sie organisch aufzubauen. Fuer deutsche Unternehmen, die Multi-Cloud-Strategien fahren oder SAP-Landschaften modernisieren, ist das eine einmalige Gelegenheit."
Kontext: SAPs KI-Strategie und die Rolle von Joule
Um die HPOM-Umstrukturierung einzuordnen, muss man SAPs uebergeordnete KI-Strategie verstehen. Seit Anfang 2024 hat SAP massiv in KI investiert — mit Joule als zentralem Aushängeschild. Joule ist SAPs KI-Assistent, der in praktisch jede SAP-Anwendung integriert wird: von S/4HANA ueber SuccessFactors bis hin zu Ariba und Concur. Im Q1 2026 wurde Joule Studio allgemein verfuegbar — eine Plattform, mit der Unternehmen eigene KI-Agenten auf SAP-Basis bauen koennen.
Parallel dazu betreibt SAP den Generative AI Hub als Teil der Business Technology Platform (BTP). Dieser Hub bietet Zugang zu Modellen von OpenAI (GPT 5.2), Google (Gemini 3.0 Pro), Anthropic (Claude Opus 4.6) und anderen. SAP hat im Q1 2026 eine dedizierte Chief-AI-Officer-Rolle geschaffen — ein Signal, dass KI-Governance auf Vorstandsebene angekommen ist.
Die HPOM-Umstrukturierung ist die organisatorische Konsequenz dieser strategischen Entscheidungen. SAP braucht keine dezentralen Architekten mehr, die jeder fuer sich Hyperscaler-Beziehungen pflegen. SAP braucht zentrale KI-Architekten, die verstehen, wie Joule in bestehende Enterprise-Workflows integriert wird, wie der Generative AI Hub skaliert und wie KI-Agenten auf BTP orchestriert werden koennen.
Das bedeutet: Die alten Architekten — so kompetent sie auch sind — passen nicht mehr ins neue Organigramm. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil ihre Expertise in einer zentralisierten Welt redundant wird. Und genau das macht sie fuer den externen Arbeitsmarkt so wertvoll.
Deep Dive: Welche Profile werden freigesetzt — und warum sie so wertvoll sind
Die HPOM-Umstrukturierung betrifft nicht die breite Masse der SAP-Entwickler. Sie betrifft eine sehr spezifische Elite-Schicht: die Menschen, die an der Schnittstelle zwischen SAP-Produkten und der externen Cloud-Welt arbeiten. Um zu verstehen, warum diese Profile fuer deutsche Unternehmen so wertvoll sind, muss man ihre konkreten Aufgabenbereiche kennen.
BTP-Integrationsarchitekten
Diese Mitarbeiter haben die Integrationspatterns definiert, mit denen SAP-Systeme ueber die Business Technology Platform mit externen Services kommunizieren. Sie verstehen API-Design auf Enterprise-Niveau, Event-Driven Architecture mit SAP Event Mesh und die Integration von SAP-Daten in Multi-Cloud-Umgebungen. Ein BTP-Integrationsarchitekt mit 10 Jahren Erfahrung hat typischerweise mit 50-100 Grosskundenimplementierungen gearbeitet — von Automobilkonzernen ueber Pharma bis hin zu Finanzdienstleistern.
Hyperscaler-Co-Engineering-Spezialisten
SAP unterhielt bislang dedizierte Teams, die mit AWS, Azure und GCP an der nahtlosen Integration von SAP-Workloads in deren Cloud-Plattformen arbeiteten. Diese Spezialisten verstehen nicht nur SAP — sie verstehen auch, wie SAP HANA auf bare-metal AWS-Instanzen performt, wie Azure Private Link mit SAP BTP interagiert und wie GCP BigQuery mit SAP Datasphere synchronisiert wird. In der neuen HPOM-Struktur werden diese Beziehungen zentralisiert, was die meisten dezentralen Rollen ueberfluessig macht.
Datasphere-Analytics-Architekten
SAP Datasphere (ehemals Data Warehouse Cloud) ist SAPs Antwort auf die moderne Data-Mesh-Bewegung. Die Architekten, die die Analytics-Schicht in Datasphere gebaut haben, verstehen federated data governance, semantische Datenmodellierung und die Integration heterogener Datenquellen in Echtzeit. Fuer deutsche Unternehmen, die ihre Datenlandschaften modernisieren wollen, ist diese Expertise Gold wert.
ABAP-Cloud-Migrationsspezialisten
Eine besonders relevante Gruppe fuer den deutschen Markt: Ingenieure, die Erfahrung mit der Migration von klassischem ABAP-Code zu ABAP Cloud und dem neuen RESTful Application Programming Model (RAP) haben. Da Tausende deutscher Unternehmen vor der S/4HANA-Migration stehen und die Deadline fuer das Ende der ECC-Wartung naeher rueckt, sind diese Spezialisten heiss begehrt.
💡 Experteneinschaetzung: Der unsichtbare Talentpool
„Was HPOM so besonders macht: Diese Leute stehen nicht auf LinkedIn mit ‚Open to Work'. Viele sind durch Abfindungsprogramme bis zu 18 Monate finanziell abgesichert und nehmen sich bewusst Zeit. Sie werden nicht auf Ihre Stellenanzeige antworten. Sie muessen aktiv angesprochen werden — mit einer klaren Botschaft, warum Ihr Unternehmen technisch interessanter ist als der naechste SAP-Consulting-Job bei Accenture oder Deloitte. Wer das schafft, bekommt Mitarbeiter, die normalerweise 160.000 Euro aufwaerts kosten, fuer 120.000-140.000 Euro — weil sie Sinn und Stabilitaet suchen, nicht das Maximum."
Auswirkungen auf deutsche Hiring Manager: Was Sie jetzt wissen muessen
Die HPOM-Umstrukturierung hat fuer deutsche Hiring Manager eine voellig andere Bedeutung als der allgemeine SAP-Stellenabbau. Waehrend die breiteren 1-2%-Kuerzungen eher generische Positionen betreffen — Support-Mitarbeiter, Junior-Entwickler, Verwaltungsrollen —, setzt HPOM hochspezialisiertes Architektur-Talent frei, das normalerweise nicht auf dem Markt verfuegbar ist.
Fuer Unternehmen, die sich in einer der folgenden Situationen befinden, ist das besonders relevant:
S/4HANA-Migrationsprojekte: Die S/4HANA-Migrationswelle in Deutschland erreicht 2026-2027 ihren Hoehepunkt. Tausende Unternehmen muessen von ECC auf S/4HANA migrieren, bevor die Wartung auslaeuft. Die HPOM-Alumni sind die Menschen, die diese Migrationspfade bei SAP selbst designed haben. Sie kennen die Fallstricke, die Abkuerzungen und die Best Practices — nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis mit den groessten SAP-Installationen der Welt.
Multi-Cloud-Strategien: Deutsche Grossunternehmen fahren zunehmend Multi-Cloud-Strategien — oft mit SAP auf einem Hyperscaler und Nicht-SAP-Workloads auf einem anderen. Die ehemaligen Hyperscaler-Co-Engineering-Spezialisten von SAP verstehen genau diese Schnittstelle. Sie wissen, wie SAP HANA auf AWS Nitro-Instanzen optimal konfiguriert wird, wie Azure ExpressRoute mit SAP BTP zusammenspielt und wie GCP Anthos-Cluster SAP-Workloads orchestrieren koennen.
KI-Integration in SAP-Landschaften: Viele deutsche Unternehmen wollen KI in ihre bestehenden SAP-Workflows integrieren — sei es durch Joule, durch den Generative AI Hub oder durch eigene Modelle. Die HPOM-Alumni verstehen die SAP-Seite dieser Integration besser als jeder externe Berater, weil sie die internen APIs, die Datenmodelle und die Limitierungen kennen.
Datenmodernisierung: Die Datasphere-Architekten bringen Erfahrung mit modernen Data-Mesh- und Data-Fabric-Ansaetzen mit, die auf Enterprise-Skala getestet wurden. Fuer deutsche Unternehmen, die ihre Datenlandschaften von monolithischen Data Warehouses zu federierten Modellen umbauen wollen, sind diese Profile ideal.
| Ihr Szenario | Ideales HPOM-Profil | Erwartetes Gehalt (DE) | Verfuegbarkeit |
|---|---|---|---|
| S/4HANA-Migration | ABAP Cloud / RAP-Spezialist | 120.000-150.000 EUR | Sofort |
| Multi-Cloud-Architektur | Hyperscaler Co-Eng. Spezialist | 150.000-180.000 EUR | 4-8 Wochen |
| KI in SAP-Workflows | BTP / Joule Integrationsarchitekt | 140.000-170.000 EUR | Sofort |
| Datenmodernisierung | Datasphere Analytics Architekt | 130.000-160.000 EUR | Sofort |
| Platform Engineering | BTP Platform Architect | 135.000-165.000 EUR | 4-8 Wochen |
💡 Experteneinschaetzung: Der Accenture-Effekt
„Lassen Sie mich eines klarstellen: Wenn Sie als deutsches Unternehmen nicht innerhalb der naechsten 6-8 Wochen zugreifen, werden Accenture, Deloitte, Capgemini und die anderen grossen SAP-Beratungen das tun. Und dann zahlen Sie als Kunde 2.000-3.000 Euro Tagessatz fuer genau die gleichen Leute, die Sie fuer 130.000 Euro Jahresgehalt haetten fest anstellen koennen. Die Beratungshaeuser wissen genau, was HPOM bedeutet — sie haben bereits Recruiting-Teams auf die ehemaligen SAP-Standorte angesetzt. Der Wettlauf hat begonnen."
Was das fuer Ihre Recruiting-Strategie bedeutet
Die HPOM-Umstrukturierung erfordert eine andere Recruiting-Strategie als der typische Stellenabbau. Hier sind die wichtigsten Unterschiede und was Sie konkret tun sollten:
1. Vergessen Sie Stellenanzeigen
HPOM-Alumni sind keine Junior-Entwickler, die Stellenboersen durchforsten. Sie sind Senior-Architekten mit 10-20 Jahren Erfahrung, die durch grosszuegige Abfindungen finanziell abgesichert sind. Sie werden nicht aktiv suchen — zumindest nicht in den ersten Wochen. Sie muessen proaktiv auf sie zugehen. LinkedIn InMail, persoenliche Netzwerke, SAP-Community-Events wie die DSAG-Konferenzen und gezielte Ansprache ueber ehemalige Kollegen sind die effektivsten Kanaele.
2. Sprechen Sie ueber Technik, nicht ueber Benefits
Diese Menschen wissen, dass sie gute Jobs finden werden. Was sie interessiert, ist: Welches technische Problem loese ich bei Ihnen? Fuehren Sie mit dem Projekt, nicht mit dem Gehalt. Ein SAP-Datasphere-Architekt wird sich fuer „Wir bauen eine Real-Time-Datenplattform fuer 200 Produktionsstandorte" begeistern — nicht fuer „Wir bieten 30 Tage Urlaub und Obstkoerbe".
3. Verkuerzen Sie den Prozess auf maximal 2 Wochen
Wenn Ihr Interview-Prozess 6 Wochen dauert, verlieren Sie diese Kandidaten. HPOM-Alumni erhalten typischerweise 3-5 Angebote innerhalb von 4 Wochen. Ihr Prozess sollte maximal 3 Runden umfassen: 45-Minuten-Screening, 90-Minuten-Architektur-Review und ein Gespraech mit dem CTO oder VP Engineering. Innerhalb von 10 Arbeitstagen sollte ein Angebot auf dem Tisch liegen.
4. Bieten Sie einen „Architektur-Einfluss"-Pfad an
Viele HPOM-Alumni verlassen SAP nicht freiwillig — sie wurden strukturell eliminiert. Das bedeutet: Sie haben einen Verlust an Einfluss erlebt. Bieten Sie ihnen eine Rolle, in der sie architektonische Entscheidungen treffen koennen, nicht nur ausfuehren. Der Titel „Lead Architect" oder „Principal Engineer" ist weniger wichtig als die reale Entscheidungsmacht ueber Technologie-Stacks, Cloud-Provider-Wahlen und Systemdesign.
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Jetzt SAP-Architekten findenPrognosen: Wie geht es weiter mit SAP und dem deutschen Talentmarkt?
Die HPOM-Umstrukturierung ist kein einmaliges Ereignis. Sie ist der Beginn einer dauerhaften Verschiebung in der Art, wie SAP — und andere Enterprise-Software-Unternehmen — technische Organisationen aufbauen. Hier sind unsere Prognosen fuer die naechsten 12-18 Monate:
Prognose 1: Weitere Zentralisierungswellen kommen. HPOM war der Anfang. SAP wird die Logik der Zentralisierung auf weitere Bereiche ausdehnen — insbesondere auf Security-Architektur, Performance Engineering und Developer Experience. Jede Welle wird zusaetzliche Senior-Profile freisetzen.
Prognose 2: Der KI-Architekt-Track wird zum Flaschenhals. SAP hat den neuen Track geschaffen, aber die Nachfrage nach KI-Architekten uebersteigt das interne Angebot bei weitem. Viele der intern umplatzierten Mitarbeiter werden feststellen, dass die neuen Rollen nicht ihren Erwartungen entsprechen — und dann doch den externen Markt betreten. Erwarten Sie eine zweite Welle von HPOM-Alumni im Q3/Q4 2026.
Prognose 3: SAP-Beratungspreise werden steigen. Die grossen Beratungshaeuser werden HPOM-Alumni absorbieren und ihre Tagessaetze fuer SAP-Projekte um 15-25% erhoehen. Unternehmen, die jetzt direkt einstellen statt ueber Berater zu gehen, sparen langfristig erheblich.
Prognose 4: ABAP-Cloud-Expertise wird zum kritischen Engpass. Mit der S/4HANA-Migrationswelle und dem Auslaufen der ECC-Wartung wird die Nachfrage nach ABAP-Cloud- und RAP-Spezialisten explodieren. Die HPOM-Alumni sind die letzte grosse Kohorte, die diese Expertise mitbringt — danach muss man sie teuer intern aufbauen.
💡 Experteneinschaetzung: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft
„Ich sehe bereits jetzt eine Spaltung im deutschen SAP-Markt: Auf der einen Seite Unternehmen, die proaktiv HPOM-Alumni rekrutieren und ihre S/4HANA-Migrationen mit internem Expertenwissen beschleunigen. Auf der anderen Seite Unternehmen, die auf Stellenanzeigen warten, keine Bewerbungen erhalten und dann fuer 2.500-3.000 Euro Tagessatz externe Berater buchen muessen — die im Uebrigen oft dieselben ehemaligen SAP-Mitarbeiter sind. In 18 Monaten wird die Differenz in der S/4HANA-Migrationsgeschwindigkeit zwischen diesen beiden Gruppen 6-12 Monate betragen. Das ist kein Recruiting-Problem — das ist ein strategischer Wettbewerbsnachteil."
Vergleich: HPOM vs. fruehere SAP-Umstrukturierungen
SAP hat in den letzten Jahren mehrere Umstrukturierungen durchlaufen. Es ist hilfreich, HPOM im Kontext dieser Geschichte einzuordnen, um die Besonderheiten zu verstehen:
Die Cloud-Transformation 2015-2018 betraf hauptsaechlich Vertrieb und Lizenzmanagement. Technische Rollen waren kaum betroffen. Der Talenttransfer auf den externen Markt war gering.
Die „Intelligent Enterprise"-Reorganisation 2019-2021 konsolidierte Produktlinien, setzte aber vor allem Marketing- und Consulting-Rollen frei. Die technischen Teams blieben weitgehend intakt.
Der KI-Pivot Januar 2024 (die 8.000-Stellen-Ankuendigung) war breiter angelegt und betraf alle Bereiche. Viele Stellen wurden durch freiwillige Abfindungsprogramme abgebaut — nicht alle waren technische Rollen.
Und nun HPOM 2025-2026: Zum ersten Mal trifft eine SAP-Umstrukturierung gezielt die technische Elite — die Architekten und Principal Engineers, die die Produktarchitektur verantworten. Das ist qualitativ anders als alles, was vorher kam. Und deshalb ist der resultierende Talentpool fuer den deutschen Markt so aussergewoehnlich wertvoll.
Die Kombination aus SAPs permanentem 1-2%-Abbau (wie WirtschaftsWoche berichtet) und der gezielten HPOM-Reform erzeugt einen doppelten Effekt: quantitativ mehr Kandidaten und qualitativ bessere Profile als je zuvor.
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Was ist die SAP HPOM-Umstrukturierung?
HPOM steht fuer SAPs interne Umstellung der technischen Produkthierarchie. Die alte Struktur mit mehreren Managementebenen und dezentralen Technikverantwortlichen wird durch ein schlankeres Modell mit zentralen Architekten und Tech Leads ersetzt. Gleichzeitig entsteht ein neuer KI-Architekt-Track fuer Joule und den Generative AI Hub. Das Ergebnis: Hunderte erfahrene Positionen fallen weg, waehrend neue KI-fokussierte Rollen geschaffen werden — aber nur fuer einen Bruchteil der bisherigen Belegschaft.
Welche SAP-Rollen sind von der HPOM-Reform besonders betroffen?
Besonders betroffen sind Senior Product Architects, Principal Engineers, technische Produktmanager und Hyperscaler-Co-Engineering-Spezialisten. Diese Rollen hatten in der alten Hierarchie dezentrale Verantwortung fuer BTP-Integrationspatterns, SAP-Datasphere-Analytics und die Zusammenarbeit mit AWS, Azure und GCP. Im neuen HPOM-Modell werden diese Funktionen zentralisiert, wodurch die meisten dezentralen Positionen wegfallen.
Warum ist die HPOM-Umstrukturierung fuer deutsche Arbeitgeber relevant?
Die freigesetzten SAP-Architekten verfuegen ueber ein einzigartiges Skillset: tiefes Verstaendnis von Enterprise-Architekturen, Multi-Cloud-Erfahrung mit allen drei grossen Hyperscalern, ABAP- und BTP-Expertise sowie Erfahrung mit regulierten Umgebungen. Diese Profile sind auf dem deutschen Markt extrem selten. Gleichzeitig stehen Tausende deutsche Unternehmen vor der S/4HANA-Migration und brauchen genau diese Expertise. Das Zeitfenster ist 6-10 Wochen, bevor Beratungshaeuser wie Accenture und Deloitte die besten Kandidaten absorbieren.
Wie lange ist das Recruiting-Fenster fuer ehemalige SAP-HPOM-Mitarbeiter offen?
Erfahrungsgemaess sind die besten Senior-Profile innerhalb von 6-10 Wochen vom Markt. Bei SAP kommt erschwerend hinzu, dass viele Kandidaten durch grosszuegige Abfindungsprogramme (bis zu 18 Monatsgehaelter) finanziell abgesichert sind und sich Zeit nehmen koennen. Unternehmen sollten innerhalb der naechsten 4-6 Wochen proaktiv auf LinkedIn und ueber persoenliche Netzwerke sourcen. Die groesste Konkurrenz kommt nicht von anderen Endkunden, sondern von SAP-Beratungshaeusern, die diese Profile fuer Tagessaetze von 2.000-3.000 Euro an Kunden weiterverkaufen.