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Anthropic reicht vertraulich IPO-Unterlagen ein — Bewertung nahe 1 Billion Dollar: Was deutsche KI-Arbeitgeber jetzt tun müssen

Anthropic IPO vertraulich eingereicht Billion Dollar Bewertung deutsche KI-Unternehmen
Klaus Werner

Klaus Werner

Münchner Recruiter KI & Deep Tech · 2. Juni 2026 · 16 Min. Lesezeit

TL;DR

  • 1. Juni 2026: Anthropic reicht vertraulich IPO-Unterlagen bei der SEC ein. Bewertung: $965 Milliarden nach $65 Mrd. Series H — höher als OpenAI.
  • Lead-Banken: Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley. Revenue Run-Rate: $47 Mrd. (von $10 Mrd. in 2025). IPO erwartet Herbst 2026.
  • Deutschland-Kontext: 85.000 Softwareentwickler (IW-Analyse), SAP-Stellenabbau, SPRIND 125 Mio. Next Frontier AI, Telekom+SAP 250 Mio. Sovereign AI Cloud, Bosch 22.000 Stellenkürzungen.
  • Handlungsempfehlung: Deutsche KI-Arbeitgeber müssen Equity-Komponenten einführen, um gegen Post-IPO-Aktienoptionen zu bestehen. Fenster: jetzt bis Herbst 2026.

Am 1. Juni 2026 bestätigten mehrere Quellen — darunter Fortune und CNBC — dass Anthropic vertraulich IPO-Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Die Bewertung nach der jüngsten Series H von 65 Milliarden Dollar liegt bei 965 Milliarden Dollar — und übertrifft damit OpenAIs letzte private Bewertung. Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley führen die Transaktion. Der Börsengang wird für Herbst 2026 erwartet.

Für deutsche KI-Arbeitgeber ist das keine abstrakte Wall-Street-Nachricht. Es ist ein tektonisches Signal, das den ohnehin angespannten Kampf um KI-Talente in Deutschland fundamental verändert. Ich habe in den letzten 24 Stunden mit 14 deutschen Hiring-Managern in Berlin, München, Stuttgart und Hamburg telefoniert. Die Botschaft ist einheitlich: Wer jetzt nicht handelt, verliert den Anschluss.

Die Zahlen hinter dem Anthropic-IPO: Ein neues Kapitel der KI-Ökonomie

Lassen Sie uns die Fakten in ihrer vollen Tragweite analysieren. Anthropics Revenue Run-Rate liegt bei 47 Milliarden Dollar — eine Verfünffachung gegenüber den 10 Milliarden Dollar in 2025. Das ist kein lineares Wachstum, sondern eine exponentielle Kurve, die selbst die aggressivsten Prognosen der Wall-Street-Analysten übertrifft. Die Series H von 65 Milliarden Dollar war die größte private Finanzierungsrunde in der Geschichte der Technologiebranche. Und jetzt der Börsengang.

Was bedeutet eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar? Zum Vergleich: Das gesamte Bruttoinlandsprodukt Österreichs liegt bei etwa 500 Milliarden Dollar. Anthropic ist als einzelnes Unternehmen fast doppelt so viel wert wie die gesamte österreichische Volkswirtschaft. Das ist die Größenordnung, in der wir denken müssen.

Die drei Lead-Banken — Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley — signalisieren maximales institutionelles Vertrauen. Diese Konstellation wurde zuletzt bei Meta und Alibaba gesehen. Die vertrauliche Einreichung erlaubt Anthropic, den Prospekt ohne öffentlichen Druck zu optimieren, bevor die finale S-1-Veröffentlichung erfolgt. Erwarten Sie die öffentliche Einreichung frühestens August, den Börsengang im September oder Oktober 2026.

Anthropics Weg zum IPO: Von der Gründung zur Billion-Dollar-Bewertung

Anthropic-Timeline: Gründung bis IPO (Bewertung in Mrd. USD)2021202320242025Q1 2026Juni 2026Gründung$0,5 Mrd.Series D$18 Mrd.Series E$60 Mrd.Rev. $10B$200 Mrd.Series H $65B$900 Mrd.IPO-Antrag$965 Mrd.

Der deutsche Kontext: Zwischen industrieller Stärke und KI-Rückstand

Um zu verstehen, was der Anthropic-IPO für Deutschland bedeutet, müssen wir den lokalen Kontext kennen. Laut einer aktuellen IW-Analyse arbeiten in Deutschland rund 85.000 Softwareentwickler. Das klingt nach viel, ist aber im internationalen Vergleich wenig: Die USA haben über 4,4 Millionen, Indien über 5 Millionen. Und von diesen 85.000 deutschen Entwicklern haben weniger als 8.000 ernsthafte KI-Erfahrung auf Produktionsniveau.

Gleichzeitig befindet sich der deutsche Tech-Arbeitsmarkt in einem paradoxen Zustand. Auf der einen Seite: massive Stellenkürzungen bei den Großen. Bosch baut 22.000 Stellen ab, SAP restrukturiert kontinuierlich mit KI-Umbau, Microsoft hat 9.000 Buyout-Pakete angeboten. Auf der anderen Seite: eine wachsende KI-Startup-Szene, die verzweifelt nach Talenten sucht und keine findet.

Die öffentliche Förderung wächst — aber in einem anderen Maßstab als in den USA. Die SPRIND Next Frontier AI Challenge stellt 125 Millionen Euro bereit. Die Telekom-SAP Sovereign AI Cloud erhält 250 Millionen Euro von der Bundesregierung. Zusammen sind das 375 Millionen Euro — weniger als ein halbes Prozent von Anthropics Bewertung. Das ist die Realität, mit der deutsche KI-Arbeitgeber arbeiten müssen.

💡 Unsere Experteneinschätzung

Deutschland fällt im KI-Wettbewerb zurück — und SPRINDs 125 Millionen Euro sind ein Tropfen auf den heißen Stein gegenüber Anthropics 965-Milliarden-Dollar-Bewertung. Wir reden hier über einen Faktor von 7.000:1. Während Anthropic allein in einem Quartal mehr Revenue generiert als das gesamte öffentliche KI-Budget Deutschlands in zehn Jahren, debattieren wir noch über Datenschutzkonformität bei Trainingsdaten. Das ist kein Wettbewerb mehr — das ist eine systemische Asymmetrie, die nur durch radikales Umdenken in der Industriepolitik korrigiert werden kann.

Warum der Anthropic-IPO den deutschen Talentkampf verschärft

Ein Börsengang verändert die Dynamik des Talentmarkts auf drei Ebenen gleichzeitig:

Erstens: Aktienoptionen als Waffe. Nach dem IPO kann Anthropic seinen 3.500+ Mitarbeitern und künftigen Hires börsennotierte Aktienoptionen anbieten. Das ist eine völlig andere Vergütungskategorie als das, was deutsche Unternehmen typischerweise bieten. Ein Senior ML Engineer bei Anthropic erhält RSUs (Restricted Stock Units) im Wert von 200.000 bis 500.000 Dollar pro Jahr — zusätzlich zum Grundgehalt. Kein deutsches Unternehmen kann das ohne Equity-Programm matchen.

Zweitens: Prestigeeffekt. Ein börsennotiertes Billionen-Dollar-Unternehmen zieht Talente magnetisch an. Deutsche KI-Entwickler, die bisher bei SAP, Bosch oder mittelständischen Unternehmen arbeiteten, werden die Option prüfen, remote für Anthropic zu arbeiten — oder zu einem der vielen US-Unternehmen zu wechseln, die im Kielwasser des IPO-Hypes rekrutieren.

Drittens: Liquiditätseffekt. Anthropic-Mitarbeiter, die früh dabei waren, werden nach dem IPO und der Lock-up-Periode zu Millionenären. Einige werden gründen. Die nächste Welle von KI-Startups wird aus Anthropic-Alumni entstehen — und die werden ihre Teams mit Leuten besetzen, die sie aus dem Anthropic-Netzwerk kennen. Das entzieht dem deutschen Markt weitere Talente.

KI-Ökosystem im Vergleich: USA vs. EU vs. Deutschland

KI-Ökosystem-Vergleich 2026 (skaliert, logarithmisch)USAEU gesamtDeutschlandGrößtes KI-UnternehmenKI-VC in 2025KI-EntwicklerÖffentliche FörderungKI-Unicorns$965 Mrd.$128 Mrd.~320.000$12 Mrd.+48+~$15 Mrd.~$9 Mrd.~45.000~$4 Mrd.12~$3 Mrd.~$1,8 Mrd.~8.000~$0,4 Mrd.2Quellen: Fortune, CNBC, Pitchbook, IW-Analyse, SPRIND, BMWK. Stand: Juni 2026.

Mistral AI expandiert — die französische Alternative wächst

Während Anthropic den IPO vorbereitet, bewegt sich auch die europäische Konkurrenz. Mistral AI, das französische KI-Unternehmen mit einer Bewertung von über 6 Milliarden Euro, hat kürzlich Emmi AI in Wien und Linz akquiriert. Das ist die erste physische Präsenz eines europäischen KI-Unicorns im DACH-Raum — und ein direktes Signal an den deutschen Arbeitsmarkt.

Mistral rekrutiert bereits aktiv in München und Berlin. Die Kombination aus französischem Kapital und österreichisch-deutschen Talenten könnte Mistral zum ernsthaftesten europäischen Konkurrenten machen — nicht für Anthropic oder OpenAI, aber für SAP, Siemens und den deutschen Mittelstand im Kampf um KI-Fachkräfte.

💡 Unsere Experteneinschätzung

SAP muss sofort auf Claude/GPT-Integration pivotieren — oder den Enterprise-KI-Markt verlieren. Die Dremio-Übernahme und die Joule-Agenten sind Schritte in die richtige Richtung, aber zu langsam. Anthropic generiert jetzt mehr Quartalsrevenue als SAPs gesamtes Cloud-Geschäft. Wenn SAP nicht innerhalb von 12 Monaten eine native Claude- oder GPT-Integration in den BTP-Kern einbaut, werden die 400.000 SAP-Kunden weltweit eigene KI-Stacks aufsetzen — und SAP wird zum reinen Datenbanklieferanten degradiert. Die Entwickler, die SAP jetzt entlässt, sollten genau diese Integration bauen.

Was das für deutsche Arbeitgeber bedeutet — 5 konkrete Auswirkungen

1. Gehälter allein reichen nicht mehr — Equity wird Pflicht

Der größte strukturelle Nachteil deutscher KI-Arbeitgeber ist das Fehlen von Equity-Programmen. Während US-Unternehmen wie Anthropic, OpenAI und Google RSUs im Wert von Hunderttausenden Dollar jährlich verteilen, bieten die meisten deutschen Unternehmen ein Fixgehalt plus einen bescheidenen Bonus. Das reicht nicht mehr.

Die Lösung existiert bereits — sie wird nur zu selten genutzt. Seit der Reform des Fondsstandortgesetzes 2021 und den Verbesserungen durch das Zukunftsfinanzierungsgesetz 2023 können deutsche Startups und Mittelständler steuerlich begünstigte Mitarbeiterbeteiligungen (VSOPs, Phantom Shares) anbieten. Der Freibetrag für Mitarbeiterbeteiligungen wurde auf 2.000 Euro pro Jahr erhöht, und die Besteuerung von Stock Options wurde auf den Verkäufszeitpunkt verschoben. Nutzen Sie diese Instrumente.

2. Remote-First wird Standard — oder Sie verlieren

Anthropic beschäftigt Teams in San Francisco, London und inzwischen auch remote in ganz Europa. Ein deutscher KI-Entwickler in Berlin kann morgen für Anthropic arbeiten, ohne die Stadt zu verlassen. Die einzige Gegenmaßnahme: Bieten Sie selbst Remote-First an — und konkurrieren Sie mit Purpose, nicht mit Standort.

3. Geschwindigkeit im Recruiting wird überlebenswichtig

Zwischen dem ersten Kontakt und dem unterschriebenen Vertrag vergehen bei deutschen Unternehmen durchschnittlich 47 Tage. Bei US-Tech-Firmen sind es 19 Tage. Im Post-IPO-Markt, in dem Anthropic und seine Konkurrenten aggressiv rekrutieren, sind 47 Tage eine Ewigkeit. Komprimieren Sie Ihren Prozess auf maximal 21 Tage — oder akzeptieren Sie, dass Ihre Top-Kandidaten vorher unterschreiben.

4. Industrielle KI als deutscher Wettbewerbsvorteil

Deutschland kann Anthropic nicht im Foundation-Model-Wettbewerb schlagen. Aber Deutschland hat etwas, was Anthropic nicht hat: Industrie. Bosch, Siemens, BMW, BASF, die Fraunhofer-Institute — das ist die dichteste Konzentration von industriellem Know-how weltweit. Die Zukunft liegt in der Verbindung von Anthropics Claude-Modellen mit deutscher Industrieexpertise. Die Profile dafür: Industrial AI Engineers, die sowohl Python/PyTorch als auch SPS-Programmierung beherrschen.

5. Berlin als europäischer KI-Hub stärken

Berlin hat in den letzten 18 Monaten mehr KI-Startup-Gründungen gesehen als jede andere europäische Stadt außer London. Langdock, DeepL (Köln/Berlin), und dutzende kleinere KI-Startups bauen hier. Der SPRIND-Effekt wird Berlin weiter stärken. Deutsche Arbeitgeber sollten diese Dynamik nutzen, statt dagegen zu arbeiten.

💡 Unsere Experteneinschätzung

Deutsche Arbeitgeber müssen Equity bieten, nicht nur Gehalt, um im KI-Talentkampf zu bestehen. Die Mathematik ist einfach: Ein Senior ML Engineer bekommt bei Anthropic post-IPO ein Gesamtpaket von $400.000–$600.000 pro Jahr. Ein deutsches Unternehmen, das 130.000 Euro brutto plus 15% Bonus bietet, spielt in einer anderen Liga. Die einzige Möglichkeit, dieses Gefälle zu überbrücken, sind substanzielle Equity-Pakete. 0,3–0,8% VSOP für Senior-Hires bei Series-A/B-Startups, Phantom Shares bei Mittelständlern. Wer das nicht anbietet, ist ab Herbst 2026 nicht mehr wettbewerbsfähig.

Vergleichstabelle: Anthropic vs. deutsches KI-Ökosystem

KategorieAnthropic (Post-IPO)Deutsches KI-Ökosystem
Bewertung$965 Mrd.~$3 Mrd. (alle KI-Startups zusammen)
Revenue Run-Rate$47 Mrd./Jahr~$800 Mio./Jahr
KI-Mitarbeiter3.500+~8.000 (verteilt auf 500+ Firmen)
Senior ML Gehalt$250k–$450k + RSUs€95k–€145k + Bonus
Equity-ProgrammBörsennotierte RSUsSelten: VSOP/Phantom (wenn überhaupt)
Time-to-Hire14–21 Tage35–55 Tage
VorteilKapital, Modelle, BrandIndustrie, DSGVO, Mittelstand

Entscheidungsbaum für deutsche Arbeitgeber: Wie reagieren Sie auf den Anthropic-IPO?

Entscheidungsbaum: KI-Hiring-Strategie nach dem Anthropic-IPOHaben Sie ein Equity-Programm?NeinVSOP/Phantom Shares einführenStartup (Series A/B)0,3–0,8% pro SeniorMittelstand/KonzernPhantom Shares + BonusJaRecruiting-Geschwindigkeit prüfen>30 TageProzess auf 21 Tagekomprimieren<21 TageIndustrial AI alsUSP positionierenRemote-First anbieten?Nein50% der Kandidaten verlorenJaWettbewerbsfähig 2026+Quelle: Programmier-Anfang Analyse, Juni 2026.

KI-Team aufbauen, bevor der Anthropic-IPO den Markt verändert?

Unsere DACH-Cell hat in 18 Monaten 24 Senior-KI-Engineers bei deutschen Foundation-Model-Labs, Robotik-Startups und industriellen KI-Spinoffs platziert. Erprobte 21-Tage-Pipeline mit Equity-Beratung.

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Aktionsplan: Was deutsche KI-Arbeitgeber in den nächsten 90 Tagen tun müssen

Der Anthropic-IPO wird voraussichtlich im September oder Oktober 2026 stattfinden. Das gibt deutschen Arbeitgebern ein 90-Tage-Fenster, um ihre Positionen zu sichern, bevor der volle IPO-Hype den Markt erfasst.

  1. Woche 1–2 (Juni): Equity-Programm einführen oder aktualisieren. VSOP-Template vom Anwalt prüfen lassen. Phantom-Shares-Modell für Mittelstand evaluieren. Budget: 8.000–15.000 Euro für rechtliche Erstberatung.
  2. Woche 3–4 (Juni): Recruiting-Prozess auf 21 Tage komprimieren. Technisches Interview auf maximal 3 Runden reduzieren. Entscheidung am Tag des letzten Interviews kommunizieren.
  3. Woche 5–8 (Juli): Aktive Sourcing-Pipeline öffnen. 20–30 warme Gespräche mit KI-Entwicklern in Berlin, München, Hamburg und Stuttgart. Fraunhofer-Alumni, TU-München-CS-Absolventen, Ex-Bosch/SAP-Engineers.
  4. Woche 9–12 (August): Offers raus mit 7-Tage-Antwortfrist. Equity transparent dokumentieren. Sign-On-Bonus bei 10.000–20.000 Euro, falls Kandidat Bonus beim aktuellen Arbeitgeber verliert.

Goldman Sachs-Prognose: 760.000 KI-Fachkräfte fehlen weltweit bis 2028

Der Anthropic-IPO existiert nicht im Vakuum. Goldman Sachs prognostiziert einen globalen Mangel von 760.000 KI-Fachkräften bis 2028. Deutschland ist davon überproportional betroffen, weil drei Faktoren zusammenwirken: die demografische Alterung (Babyboomer gehen in Rente), die im internationalen Vergleich niedrigen Gehälter (Faktor 2–3x unter Bay Area), und die bürokratischen Hürden bei der Einstellung internationaler Fachkräfte (EU Blue Card dauert immer noch 4–8 Wochen).

Die Rechnung für Deutschland ist ernüchternd: Von den 85.000 Softwareentwicklern haben etwa 8.000 KI-Produktionserfahrung. Der jährliche Bedarf an neuen KI-Profilen liegt bei geschätzt 3.000–4.500. Die Universitäten produzieren jährlich etwa 1.200 Absolventen mit relevantem KI-Profil. Das strukturelle Defizit beträgt also 1.800–3.300 Profile pro Jahr — und das vor dem Anthropic-IPO-Effekt.

💡 Unsere Experteneinschätzung

Prognose: Berlin wird bis 2028 der zweitwichtigste europäische KI-Hub nach London. Die SPRIND-Förderung, die Telekom-SAP Sovereign AI Cloud, die Mistral-Expansion über Wien/Linz, und die wachsende Berliner KI-Startup-Szene konvergieren auf ein Ergebnis: Berlin wird München als deutschen KI-Standort Nr. 1 überholen und Paris als europäischen Nr. 2 herausfordern. London bleibt wegen DeepMind und des Finanzökosystems auf Platz 1, aber Berlin hat den größten Wachstumsvektor. Deutsche Arbeitgeber, die in Berlin präsent sind oder remote-fähig rekrutieren, haben einen strukturellen Vorteil.

Verwandte Analysen auf unserem Blog

Für tiefere Einblicke in die Themen, die dieser Artikel berührt, empfehlen wir:

Externe Quellen: Fortune — Anthropic IPO Filing, CNBC — Anthropic Valuation Analysis.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet der vertrauliche IPO-Antrag von Anthropic?

Anthropic hat am 1. Juni 2026 vertraulich IPO-Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das bedeutet, dass das Unternehmen einen Börsengang plant, ohne die Prospektdetails sofort öffentlich zu machen. Die Bewertung nach der Series H von 65 Milliarden Dollar liegt bei 965 Milliarden Dollar. Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley führen die Transaktion. Der Börsengang wird für Herbst 2026 erwartet. Die vertrauliche Einreichung gibt Anthropic die Möglichkeit, Feedback von der SEC einzuholen und den Prospekt zu optimieren, bevor die öffentliche S-1-Einreichung erfolgt.

Wie beeinflusst der Anthropic-IPO den deutschen KI-Arbeitsmarkt?

Der Anthropic-IPO verschärft den Kampf um KI-Talente in Deutschland auf drei Ebenen: Erstens kann Anthropic nach dem Börsengang börsennotierte Aktienoptionen anbieten, die kein deutsches Unternehmen ohne eigenes Equity-Programm matchen kann. Zweitens zieht ein Billionen-Dollar-Unternehmen Talente magnetisch an — deutsche KI-Entwickler können remote für Anthropic arbeiten. Drittens werden Anthropic-Alumni nach der Lock-up-Periode gründen und weitere Talente aus dem deutschen Markt abziehen. Deutsche Arbeitgeber müssen mit Equity-Programmen, schnellerem Recruiting und industrieller KI als USP reagieren.

Kann Deutschland im KI-Wettbewerb mit den USA mithalten?

Im Foundation-Model-Wettbewerb kann Deutschland die USA nicht einholen — die Kapitalasymmetrie ist zu groß (SPRIND 125 Mio. Euro vs. Anthropic $965 Mrd.). Aber Deutschland hat drei strukturelle Vorteile: die dichteste industrielle KI-Anwendungslandschaft (Bosch, Siemens, BMW, BASF), strenge Datenschutzstandards (DSGVO als Qualitätsmerkmal für Enterprise-Kunden), und einen starken Mittelstand, der KI-Lösungen für die Fertigung, Logistik und Qualitätssicherung braucht. Berlin wird voraussichtlich bis 2028 zum zweitwichtigsten europäischen KI-Hub nach London.

Welche Gehälter müssen deutsche KI-Arbeitgeber 2026 zahlen?

Senior KI-Entwickler in Deutschland verdienen 2026 zwischen 95.000 und 145.000 Euro brutto pro Jahr. Für Staff- und Principal-Rollen bei gut finanzierten Startups sind 145.000 bis 190.000 Euro plus Equity realistisch. Entscheidend ist die Equity-Komponente: 0,3–0,8% VSOP bei Series-A/B-Startups, Phantom Shares bei Mittelständlern. Ohne Equity verlieren Sie Top-Kandidaten an US-Firmen, die post-IPO RSUs im Wert von $200.000–$500.000 jährlich bieten. Sign-On-Bonusse von 10.000–20.000 Euro sind bei Wechseln aus der Industrie üblich.

Fazit: Das Fenster ist jetzt — nicht nach dem IPO

Der vertrauliche IPO-Antrag von Anthropic markiert eine Zäsur im globalen KI-Markt. Eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar, eine Revenue-Run-Rate von 47 Milliarden Dollar, und Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley als Lead-Banken — das ist keine Startup-Story mehr, das ist die nächste Generation der Tech-Großmächte.

Für deutsche KI-Arbeitgeber bedeutet das: Das Fenster liegt zwischen jetzt und Herbst 2026. Nach dem IPO wird der Talentkampf eine neue Intensität erreichen, die mit reinen Gehaltssteigerungen nicht mehr zu bewältigen ist. Equity-Programme, schnellere Hiring-Prozesse, Remote-First-Modelle und die Positionierung auf industrielle KI als deutschem Wettbewerbsvorteil — das sind die vier Hebel, die jetzt gezogen werden müssen.

SPRIND stellt 125 Millionen Euro bereit. Telekom und SAP investieren 250 Millionen in die Sovereign AI Cloud. Mistral expandiert über Wien und Linz in den DACH-Raum. Das deutsche KI-Ökosystem wächst — aber es wächst langsamer als der globale Wettbewerb. Wer heute handelt, kann das Beste aus beiden Welten kombinieren: die Modelle von Anthropic, OpenAI und Mistral mit der industriellen Tiefe Deutschlands. Wer wartet, wird im Herbst feststellen, dass die besten Talente bereits unterschrieben haben.

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Quellen: fortune.com, cnbc.com, sprind.org, IW-Köln, BMWK. Letztes Update: 2. Juni 2026, 08:00 MESZ.